Interview in der Kleinen Zeitung vom 11.11.2025 mit Einrichtungsleitung Mag. Jasmin Csandl

Wie Eltern ihre Kinder schützen können

Steiermarkweit gibt es nun Anlaufstellen für einen gesunden Umgang mit dem Internet.

Rund 5,5 Stunden pro Tag nutzen Jugendliche in der Steiermark in der Freizeit digitale Geräte, ein Drittel von ihnen zeigt Anzeichen einer Suchtgefährdung. Das ergab eine Studie, für die zuletzt 3000 Schüler und 800 Erwachsene befragt wurden. Mit einem neuen Angebot reagiert nun das Land: Betroffene und deren Angehörige können sich nun unter www.gesund-informiert.at/gesundonline über die Risiken von übermäßigem Konsum von Internet, sozialen Medien oder Online-Spielen informieren. Zudem gibt es nun in allen steirischen Regionen Ansprechpartner, die beratend zur Seite stehen.

„In der Coronazeit hat sich unser Kontakt mit den Jugendlichen zunehmend in den Online-Bereich verlagert. Es war damals die einzige Möglichkeit, die Jugendlichen zu erreichen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass das übermäßige Onlinesein immer mehr zum Problem wird“, berichtet Jasmin Csandl vom Psychosozialen Netzwerk (PSN) Judenburg und eine der Ansprechpartnerinnen.

Wann aus der Gefährdung Sucht wird, lasse sich nur bedingt an der Zeit ablesen: „Es ist ähnlich wie bei anderen Suchtformen. Relevant ist, ob ich noch die Kontrolle über mein Verhalten habe oder ob es schon zu sozialem Rückzug kommt und ich die Schule vernachlässige, weil ich nicht vom Handy wegkomme.“ Außerdem gelte es zu beachten: „Swipe ich durch TikTok-Videos, weil ich vor der Realität flüchten möchte? Möchte ich mich dadurch von Problemen ablenken?“

Wichtig sei auch zu wissen, dass soziale Medien so konzipiert sind, dass sie den Dopamin-Ausschuss fördern – also glücklich machen. Csandl: „Schon bevor ich auf TikTok oder Instagram schaue, steigt der Dopamin-Spiegel, weil ich Vorfreude empfinde. Unser Gehirn lernt: Wenn wir etwas tun, das uns glücklich macht, möchten wir es wieder machen.“ In der Arbeit mit Jugendlichen spricht die Streetworkerin das Thema aktiv an: „Es ist ja meistens nicht so, dass die Jugendlichen von selbst kommen und sagen, sie haben eine Mediennutzungsstörung. Wobei es keineswegs so ist, dass die Jugendlichen nicht offen sind für Alternativen.“ Der Renner seien derzeit das ‚Mensch ärgere dich nicht‘-Spiel oder UNO-Karten.

Eltern rät Csandl, sich selbst auch zu begrenzen und ebenso handyfreie Zeiten, etwa beim gemeinsamen Frühstück oder Abendessen, einzuhalten.